Das sind die Preisträger des Deep Tech Award 2016

Erschien am 14. November 2016 in Aktuelles

Die Gewinner des Deep Tech Award 2016
© SIBB e.V.

Der Deep Tech Award würdigt innovative Hardware und systemnahe Software aus Berlin mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 60.000 Euro. Am 9. November fand die Preisverleihung des Deep Tech Award 2016 statt. Hier sind die Gewinner.

PTX tech GmbH, Factor-E Analytics GmbH, MCS DataLabs GmbH und Cassantec GmbH heißen die vier Berliner Preisträger des Deep Tech Award 2016. Ein erster Preis, zwei zweite Preise und ein dritter Preis wurden durch Cornel Pampu, Referatsleiter IKT, Medien, Kreativwirtschaft bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung und die SIBB-Vorstände Thomas Schröter und Dirk Stocksmeier im Basecamp in Berlin übergeben. In die Bewertung der Fachjury flossen der Innovationsgrad, Alleinstellungsmerkmale, Vorteile und Mehrwert aus der Nutzerperspektive ebenso ein, wie das vorhandene Marktpotenzial, das Datenschutz- und Datensicherheitskonzept und das Design.

 

Die Preisträger im Einzelnen:

1.Preis – 20.000 Euro für „4D MMS Vision-System“ der PTX tech GmbH

PTX tech wurde 2014 gegründet und hat seinen Tätigkeitsschwerpunkt im Bereich der eingebetteten Systeme für Industrieautomatisierung. Das 4D MMS Vision-System wurde von PTX tech GmbH entwickelt, um eine Mensch-Maschine-Interaktion zu ermöglichen. Durch 4D MMS kann ein Roboter mit uneingeschränkter Winkelgeschwindigkeit und einem Drehmoment mit beliebiger Last arbeiten. Bei ortsveränderlichen Maschinen, wie Kränen und Förderzeugen (FTS oder AGVs), kann 4D MMS zusätzlich die Position sicher bestimmen, ohne dass Marker oder Reflektoren erforderlich werden. Natürliche Merkmale aus der Umgebung nutzt 4D MMS zur Positionsbestimmung, sodass es (ohne GPS!) bei intralogistischen Prozessen wie Flächen- oder Hochregallagern eingesetzt werden kann. In der Industrieautomatisierung führt 4D MMS dazu, dass Maschinen oder Roboter nicht mehr mit Zäunen oder Lichtgittern eingehaust werden müssen. Stattdessen wird der Arbeitsraum mit 4D MMS überwacht (dabei ist nur ein Sensor erforderlich, der z. B. an einer Krantraverse angebracht wird): Eine Anlage stoppt nur dann, wenn sich ein Mitarbeiter in den Gefahrenbereich begibt. Für den Betreiber der Anlage bedeutet das eine signifikante Effizienzsteigerung durch höhere Maschinenverfahrzeiten, weniger Maschinenstopps und weniger Ausschuss, etwa bei fest getakteten Arbeitsprozessen wie in der Galvanik.

In der Jurybegründung heißt es: Mit Hilfe von Infrarotstrahlen wird die Umgebung gescannt und in Echtzeit in 3D-Modelle umgewandelt. Durch die Beobachtung von Objekten im Einflussbereich der Maschine kann schnell und vorhersehend auf Veränderungen reagiert werden. Die verwendete Technologie bietet klare Vorteile gegenüber bisherigen Ansätzen.

 

2. Preis – 15.000 Euro für Lösung „Factor-E Analytics“ von Factor-E Analytics GmbH

Das Unternehmen wurde von Stylianos Chiotellis (CEO) und Ioannis Relakis (COO) mit Ausbildung in Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen, Elektrotechnik und Informatik gegründet.

Die Digitalisierung schreitet in allen Unternehmensbereichen mit großen Schritten voran. Gerade in der Produktion, wo viele Maschinen fortlaufend Daten produzieren, streben Unternehmen nach besseren Daten und damit nach mehr Transparenz, höherer Produktivität und besserer Planungssicherheit. Obwohl IoT in aller Munde ist, bleibt die digitale Produktion ein unmögliches, zumindest aber kostspieliges, Unterfangen. Warum? Allein in Europa verfügen mehr als 2,7 Millionen Werkzeugmaschinen über keinerlei IT-Schnittstellen (Fraunhofer IPK & EU, 2014) und waren so bisher von der Betriebsdatenerfassung ausgeschlossen bzw. müssten kostspielig nachgerüstet oder ersetzt werden. Factor-E löst dieses Problem, indem relevante Leistungsdaten über die Echtzeit-Analyse und Auswertung von Stromsignalen abgeleitet werden, unabhängig vom Typ und Alter der Maschine. Da die Datenerfassung und Informationsgewinnung ausschließlich auf Stromsignalen basiert, müssen die zu digitalisierenden Anlagen auch nicht mehr über eine IT-Schnittstelle verfügen. Die Digitalisierung der Anlagen erfolgt lediglich durch Messung, Auswertung und Übertragung von Stromflüssen, die durch eine kostengünstige und beim Kunden meist schon vorhandene Standard-Hardware (industrielle PCs) erfolgt. Somit können produzierende Unternehmen und insbesondere KMU mit geringem Investitionsaufwand von innovativen Industrie-4.0-Ansätzen, die Produktions- und Organisationsabläufe digitalisieren, profitieren. Mit der Lösung gelingt es, Produktionsanlagen jeden Typs und Alters intelligent zu vernetzen, indem eine Echtzeit-Analyse ihrer elektrischen Leistungsaufnahme durchgeführt wird. Für die Erfassung setzt Factor-E auf industrielle Standard-Hardware, die günstig beschafft werden kann bzw. beim Kunden teilweise schon vorhanden ist. Da darüber hinaus andere Datenquellen aus SPS-, ERP- und MES-Systemen optional sind, wird der Aufwand zur Integration des Systems erheblich reduziert.

In der Jurybegründung heißt es: Mit dieser Entwicklung können Produktivitätssteigerungen von bis zu 20 Prozent und Energieersparnisse von bis zu 30 Prozent erreicht werden. Außerdem ist das System für alle produzierenden Unternehmen, insbesondere für KMUs, interessant, die ihren bestehenden Maschinenpark vernetzen und für Industrie 4.0 und das Internet der Dinge fit machen wollen.

 

2. Preis – 15.000 Euro für „Wearable SmarKo“ (Smarte Konnektivität) von MCS DataLabs GmbH

MCS Datalabs GmbH (MCS) ist ein im Jahr 2012 gegründetes Berliner Technologieunternehmen mit Entwicklungsfokus auf Wearable Technologies, Internet of Things, IP-Based Communication, Software-Applikationen und Big Data Analytics.

Der zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen benötigt effizientere Abläufe, ohne dabei die Gesundheit der Patienten zu gefährden oder Leistungen einzuschränken. „SmarKo“ soll hierbei einen wichtigen Beitrag leisten. Das Wearable ermöglicht es beispielsweise, die erforderlichen Patientendaten bereits bei der Aufnahme im Krankenhaus per NFC auf dem Armband zu speichern, sodass der Patient während des gesamten Krankenhausaufenthaltes seine wesentlichen Informationen jederzeit am Arm verfügbar hat. Diese Informationen lassen sich von unterschiedlichen Lesegeräten (z.B. Smartphone) am Krankenbett oder in der Patientendatenbank abrufen und auch aktualisieren. Außerdem kann „SmarKo“ Vitaldaten wie Puls, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur überwachen, was für Gesundheitsprävention und Patientensicherheit wichtig ist. Anwendungsbereiche sind die „Telemedizin“ und „Remote Patient Care“, die es ermöglichen, aus der Ferne mithilfe von gemessenen Vitaldaten zu diagnostizieren. Reha-, Sucht- und Demenz-Kliniken können „SmarKo“ nutzen, um verirrte oder hilflose Patienten zu lokalisieren und mit ihnen zu kommunizieren. „SmarKo“ kann auch für die elektronische Zugangskontrolle genutzt werden, und der integrierte Druckknopf ermöglicht es, Notdienste anzurufen. Auch kann „SmarKo“ selbständig Hilfe holen, wenn es bedrohliche Situationen spürt, z.B. bei einem plötzlichen Stressanstieg oder einem Sturz. Der Wettbewerbsbeitrag „SmarKo“ (Smarte Konnektivität) ist ein Wearable, welches eine Schlüsselposition im wachsenden „Smart Interconnectivity“ Markt einnehmen soll. Einsatzgebiete sind (i) Internet of Things (IoT) (ii) Machine-to-Machine (M2M) Communication (iii) Human-Computer-Interaction (HCI) and (iv) Smart Cities / Smart Buildings und (v) Industry 4.0.

 

3.Preis – 10.000 Euro für Lösung „Cassantec Prognostics“ der Cassantec GmbH

Gegründet in Berlin im Jahr 2014, hat die Cassantec GmbH eine prognostische Lösung als „Killer-App“ für Predictive Maintenance entwickelt. Basierend auf Methoden der künstlichen Intelligenz und des Machine Learnings liefern Prognosen der Cassantec Erkenntnisse über den heutigen und zukünftigen Zustand von Assets mit einem expliziten Zeithorizont von typischerweise Wochen oder Monaten, in bestimmten Fällen auch Jahren.

„Cassantec Prognostics“ basiert auf einer einzigartigen Kombination stochastischer Methoden, um Zustandstrends, Risikoprofile von Störungen und verbleibende Restlebensdauern von Maschinen und Anlagen zu ermitteln. Basierend auf historischen und aktuellen Prozess- und Zustandsdaten – unter anderem Schwingung, Temperatur, Druck und Geschwindigkeit – stellt die prognostische Lösung von Cassantec relevante Informationen bereit. Die innovative prognostische Lösung von Cassantec ermöglicht die Restlebensdauer der Anlagen und ihrer Komponenten effizient auszuschöpfen, den optimalen Erneuerungszeitpunkt zu bestimmen und die Wartungskosten sowie ungeplante Stillstände zu minimieren. Die Resultate der stochastischen Kalkulationen werden in einem entscheidungsbezogenen Format präsentiert, das dem Betreiber hilft, seine Instandhaltungsstrategien zu optimieren. Durch eine einzigartige und zum Patent angemeldete Kombination mathematischer Methoden (Zusammenführung von Markov-Ketten und Bayes’schen Netzen) wird für die Erstellung einer Prognose keine Schadenshistorie benötigt: „Cassantec Prognostics“ prognostiziert auch die Störungen, die bisher an der Anlage nicht vorkamen. „Cassantec Prognostics“ ist als SaaS-Modell so konzipiert, dass nicht in die vorhandene IT-Infrastruktur des Kunden eingegriffen werden muss. Stattdessen werden die benötigten Daten batchweise aus dem Datenbestand exportiert, sodass auf den Datenbestand des Kunden nicht zugegriffen werden muss. Folglich ist die Integrität der Kundendaten gesichert.

In der Jurybegründung heißt es: Entwickelt wurde hier eine innovative Technologie für einen hoch-relevanten Zukunftsmarkt, der bereits über beeindruckende Referenzen in wichtigen Schlüsselindustrien verfügt.

 

Michael Pemp, Referent bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung für die IKT Branche: Ich danke der Jury sehr für die gute Zusammenarbeit, die intensive Begutachtung und die gemeinsame Bewertungsentscheidung der vielen facettenreichen und durchweg interessanten Bewerbungen! Das Spektrum der Bewerbungen zeigte auf, wie groß das Potential für Anwendungen und Technologielösungen aus dem Bereich IoT in Berlin ist. Die prämierten Beiträge reichten von der Lösung für die vorausschauende Instandhaltung und Wartung von Fertigungsmaschinen bis hin zu flexiblen und mobilen Systemen zum Gesundheits- und Therapie-Monitoring. Die Prämierungen und der Wettbewerb insgesamt leisten einen guten Beitrag zur Weiterentwicklung und Etablierung der Produkte auch weit über Berlin hinaus. Es wäre überaus erfreulich, wenn sich aus dem Wettbewerb Folgevorhaben, wie im letzten Jahr beispielsweise im Rahmen des Berliner Innovationsförderprogramms „ProFIT“, ergeben würden. Ich gratuliere im Namen der Jury allen Preisträgern!“

Thomas Schröter, Jurymitglied und Vorstandsvorsitzender des SIBB e.V. zum Wettbewerb: „Auch der zweite Deep Tech Award hat einmal mehr gezeigt, welches Potential in den vielfältigen technologisch ausgereiften Lösungen und Produkten, die in den Berliner KMU´s der IT- und Internetwirtschaft das Licht der Welt erblicken, stecken und in welch vielfältiger Weise enorme Zusatznutzen für Produktion, das Gesundheitswesen, die Automatisierung oder für andere Bereiche damit angeboten werden. Ich freue mich, dass die Berliner KMU´s mit der Würdigung im Rahmen dieses Preises auch aus dem Schatten der sogenannten „Großen“ heraus treten können und in diesem Rahmen die entsprechende öffentliche Würdigung erfahren. Auch das wollen wir mit dem Preis erreichen – die Sichtbarmachung der Leistungsfähigkeit der klein- und mittelständischen Berliner IT-Wirtschaft.“

Dirk Stocksmeier, Vorsitzender Business Applications for the Mobile World e.V.: “Die mit dem Begriff ´IoT´ bezeichnete Vernetzung von Gegenständen ist dabei, Alltag und Arbeitsleben grundlegend zu verändern. Neben den großen IT-Playern haben klassische Industriekonzerne, aber auch viele IT-Mittelständler und aufstrebende Start-Ups das darin liegende Marktpotenzial erkannt. Die zahlreichen herausragenden IoT-Lösungen und -Produkte aus Berlin, die im Rahmen des diesjährigen Deep Tech Award eingereicht wurden, verdeutlichen, dass sich die Hauptstadtregion mit ihrer IT-Wirtschaft zu einem maßgeblichen Innovationsraum und digitalen Impulsgeber entwickelt hat. Umso erfreulicher ist dies, als dass auch zentrale Anwenderbranchen wie Industrie und Gesundheitswirtschaft Wettbewerbsvorteile durch den Einsatz von IoT erzielen können.“

Der Deep Tech Award 2016 war eine Gemeinschaftsinitiative der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung, des Branchenverbandes der IT- und Internetwirtschaft in Berlin und Brandenburg, SIBB e. V., des Business Apps Networks im Rahmen der Landesinitiative Projekt Zukunft sowie der Kampagne für den IT-Standort Berlin „log in. berlin.“.

Der Wettbewerb ist mit 60.000 Euro Preisgeld dotiert. Die Finanzierung erfolgt über Mittel der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung sowie Mittel der EU/ EFRE.

Der Fachjury gehörten an: Michael Pemp, Referent bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung für die IKT Branche, Jens Tamm, JT Management- und Vertriebsberatung, Thomas Schröter, Vorstandsvorsitzender SIBB e.V., Tim Lange, Vorstand und Gründer der casenio AG, Berlin, Dirk Slama – Bosch Software Innovations GmbH, Frank Hoppe – Vorstandsmitglied Business Applications for the Mobile World e.V., Prof. Dr. Odej Kao – Technische Universität Berlin (TU Berlin), Prof. Dr.-Ing. Dr. sc. techn. Klaus-Dieter Lang – Fraunhofer IZM, Prof. Dr. Björn Scheuermann, Leiter des Lehrstuhls für technische Informatik, Humboldt Universität Berlin.

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